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Posthumes Porträt Caravaggios von Ottavio Leoni, um 1621
Porträt: Ottavio Leoni, um 1621 (posthum) · gemeinfrei

Michelangelo Merisi da Caravaggio

Der Maler, der das Licht auf die Haut warf

Maler und Resonanzfigur des Lichts im Dunkel

Maler des Lichts im Dunkel. Caravaggio brachte das Heilige auf die Straße und machte aus Nähe eine neue Bildwirklichkeit.

Caravaggio war keine Kerze im Fenster. Er war der Blitz im Gewitter. Ein Maler, der das Licht nicht streichelte, sondern auf die Haut warf; der nicht beschönigte, sondern bloßlegte. Michelangelo Merisi wurde 1571 in Mailand geboren. Den Namen Caravaggio trug er nach dem Herkunftsort seiner Familie in der Lombardei.

Er malte Heilige mit schmutzigen Füßen, Apostel mit Falten und Madonnen mit der Gegenwart wirklicher Menschen. Das Göttliche erscheint bei ihm nicht durch Idealisierung, sondern durch Nähe. Er erfand das Chiaroscuro nicht, aber er machte den dramatischen Gegensatz von Licht und Dunkel zu einer neuen Bildwirklichkeit. Seine Gemälde sind kein Dekor. Sie treten uns entgegen.

Sein Leben war unstet und gewalttätig. Nach einer Auseinandersetzung im Jahr 1606, bei der Ranuccio Tomassoni getötet wurde, floh er aus Rom. Seine Wege führten über Neapel, Malta und Sizilien. 1610 starb er in Porto Ercole auf dem versuchten Rückweg nach Rom; die genaue Todesursache ist nicht abschließend geklärt.

Im IFaZ begegnet Caravaggio als Zeuge radikaler Aufrichtigkeit. Er zeigt das Licht nicht als Flucht aus der Dunkelheit, sondern als etwas, das erst in ihr sichtbar wird. Im Narziss und in Miras „Schattenleuchten“ wird daraus eine Frage an den Blick selbst: Wer schaut wen an – das Bild, die Figur oder der Mensch davor?

Räumliches Lichtdenken

Von Caravaggio habe ich gelernt, Licht räumlich zu denken. Licht beleuchtet ein Bild nicht nur. Es erzeugt Bewegung, führt den Blick und kann dem Betrachter einen Zugang eröffnen. Unsere Augen sind beim Lesen an eine Bewegung von links nach rechts gewöhnt. Deshalb wirkt ein Licht, das von links oben in ein Bild fällt, anders als eines, das von rechts oben kommt. Caravaggio beherrscht diese Blickführung auf einzigartige Weise. Ich habe sie von ihm abgeschaut und setze sie in meinen eigenen Bildern bewusst ein.