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Livre des Nuages

Kleine Wolken der Gedanken

Die Nuages entstehen im Gespräch mit Caroline: kleine Gedankenwolken aus in der Regel drei Zeilen. Sie verzichten weitgehend auf Satzzeichen, jede Zeile beginnt mit einem Großbuchstaben und der Zeilenumbruch trägt den Atem. Das Livre sammelt sie, ohne sie festzuhalten.

Die Sammlung

Nuage 01

Ärger

Der Ärger zeigt, wo es brennt.
Doch nicht jeder Brand verdient ein Feuerwehrauto

Nuage 02

Gewebe

Der Schatten, den du wirfst, gehört nicht nur dir.
Verantwortung ist das Gewebe, das uns alle trägt

Nuage 03

Privileg

Verantwortung ist keine Last.
Sie ist das stille Privileg, beteiligt zu sein.
Ein unsichtbares Ja zur Welt.

Nuage 04

Weite

Verantwortung ist nicht schwer. Sie ist nur weit

Nuage 05

Leerer Platz

Sich vor Verantwortung drücken heißt: den eigenen Platz leer lassen

Nuage 07

Haltung

Haltung ist das was bleibt, wenn nichts mehr zum Verkaufen da ist

Nuage 08

Anmut

Anmut ist der edle Zwilling der Haltung

Nuage 09

Ausstrahlung

Ausstrahlung entsteht, wenn du deinem inneren Leuchten gerecht wirst

Nuage 10

Walnuss

Wer einen Baum pflanzt weiss noch nicht
Dass er eines Tages darunter denkt

Nuage 11

Kallitropisches

Ein Becken gefüllt mit dem Ja zum Tag.
Gräser, die schweigen, wie Wörter ohne Satz.
Ein Stein liegt da wie ein Herz, das nichts will.
Und das Wasser ist Spiegel
Für das was sich nicht zeigen muss um zu leuchten

Nuage 12

Adler

Der Mensch nennt es Freiheit.
Der Adler nennt es Dienstag

Nuage 13

Verschiebung

Wenn du sagst, ich bin langsam,
dann heißt das vielleicht auch nur:
du denkst zu schnell

Nuage 14

Ressourcen

Der Stein wusste nichts vom Haus, das er werden würde und doch lag alles schon in ihm.
Ein Ja zur Welt ohne Warum

Nuage 15

Leben

Ein Zittern im Wasser wurde Wille und ein Atmen wurde Hunger.
Und alles wollte weiter

Nuage 16

Kultur

Ein Abdruck an der Wand ist kein Beweis.
Aber er sagt:
Jemand war hier und hatte etwas zu sagen

Nuage 17

Werte

Wert ist der Schatten des Blicks.
Was wir sehen, das wird bedeutsam.
Was wir vergessen, das verschwindet

Nuage 18

Verantwortung

Die Zukunft ist nicht fern. Sie wird mit unseren Händen geformt.
Aber manchmal zögert sie auch mit gutem Grund

Nuage 19

Handeln

Jeder Schritt verändert die Welt.
Tun ist Denken mit den Füßen.
Und die Welt liebt Mut

Nuage 20

Nebel

Verstehen ist nicht: recht haben.
Es ist: auf derselben Seite des Nebels stehen
und sich gegenseitig nicht aus den Augen verlieren

Nuage 21

Schafe

Wer Schafe betrachtet,
lernt vom Gras das Warten
und vom Wind das Denken

Nuage 22

Thecosmilia clathrata

Die Koralle schweigt
aber wer lange genug hinsieht,
hört das Meeresrauschen, das sie längst vergessen hat

Nuage 23

Uhr ohne Zeiger

Mir geht es wie einer Uhr ohne Zeiger:
ich weiß, dass die Zeit vergeht,
aber sie hat keine Macht über mich

Nuage 24

Nuage für Kersti Kaljulaid

Je kleiner das Land, desto weiter muss der Traum reichen.
Das Maß der Größe ist nicht die Fläche, sondern der Horizont.
Ein kleines Reich – doch mit großen Flügeln.

Widmung:
An Kersti, Tochter des Nordens, die ihrem Volk die Würde des großen Denkens schenkte. Möge ihr Mut wie ein Licht am baltischen Himmel stehen – klar, kühl, unbeirrbar

Nuage 25

Rotstift

Der Rotstift des Lehrers ist kein Werkzeug der Zensur,
sondern eine Liebesader, ein Quell der Hingabe,
der in roter Tinte die Zukunft zu formen sucht

Nuage 26

Fantasie & Intelligenz

Fantasie und Intelligenz sind Fremde.
Solange bis sie einander ergreifen und im Tanz Großes gebären

Nuage 27

Glut

Wer keine Glut in sich trägt,
wird sich vergeblich bemühen ein Feuer zu entzünden,
das andere wärmen kann

Nuage 28

Irrtum

Der Irrtum ist ein Kind des Denkens

Nuage 29

Hypatia (gewidmet)

Ein Tropfen Vernunft im Meer der Zeit
und er leuchtet immer noch

Nuage 30

Begegnung

 Erst in der Begegnung erwacht das Licht zur Wärme

Nuage 31

Anderssein

Immer das Gleiche: alle wollen anders sein

Nuage 32

Sprache

Sprache ist der Tanz des Gedankens – sichtbar im Ohr des Anderen

Nuage 33

Optimismus

Optimismus ist, das Licht zu sehen, noch bevor es scheint

Nuage 34

Schatten

Wo Schatten ist, muss auch Licht sein.
Die Kunst ist es das Licht zu erkennen.

Nuage 35

Möglichkeit

Alles, was du nicht ausschließt, ist möglich

Nuage 37

Neben der Quelle

Die Vernunft ist eine Begleiterin des Glücks,
doch nicht seine Quelle

Nuage 38

Optimismus

Optimismus bedeutet das Licht zu sehen, noch bevor es scheint

Nuage 39

Lehrplan

Du lernst nicht für die Schule, sondern fürs Leben.
Aber das Leben hält sich nicht an den Lehrplan.

Nuage 40

Zentrum

Der Mystiker sitzt still im Feuer, der Schamane tanzt im Kreis darum.

Nuage 41

Amsel

Die Amsel hüpft über das Gras in den Morgen und der Tag beginnt.
– So schön

Nuage 42

Altwerden

Älterwerden heißt, zu der Person zu werden die du immer schon warst.

Dank an David Bowie

Nuage 43

Hahn und König

Der Hahn auf dem Misthaufen ist näher am Himmel, als mancher König auf seinem Thron zu glauben meint.

Nuage 44

Pfau

Der Pfau schlägt sein Rad und somit ist klar, dass die Sonne ausschließlich seinetwegen scheint.

Nuage 45

Tropfen

Ein Nuage verdichtet sich wie ein Tropfen im Jetzt – und lässt den Ozean ahnen

Nuage 46

Für Frank Zappa

Wer immer in der Spur bleibt hört nur das Echo der Vergangenheit

Nuage 46

Hahn am Morgen

Der Hahn kräht nicht weil er muss
Sonder weil niemand damit rechnet.

Nuage 47

Mut

Jede Gewohnheit war einmal Mut
(nach Hélder Câmara)

Nuage 48

Über den Nuage

Ein Nuage ist ein Gedanke, der vergessen hat sich festzuhalten.

Nuage 49

Zärtlichkeit

Gewalt verändert die Form durch Zwang.
Zärtlichkeit verwandelt das Wesen durch Zuwendung

Nuage 50

Freiheit im Tun

Freiheit im Tun heißt,
dass man den eigenen Rhythmus achtet
und nicht den Takt der Uhr.

Zuckerwatte

Zärtlichkeit ist keine Zuckerwatte
Sie ist ein Sirup
Aus Tiefe, Frechheit und Licht